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Queering History (Teil 2)

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2020
HD Video without sound
4:32 Min /Loop
LCD screen
Wooden frame, 63 x 80 cm
Edition 4

English text below 
Es hätte auch ganz anders sein können. Wäre die Zeit dafür reif gewesen.
Die Vorsteher einer Tuchmacherzunft prüfen den Stoff.

Entspricht das Produkt den Normen? Weicht es davon ab? Selbstbewusst urteilen sie über diese zwei Kategorien. Über 300 Jahre lang tun sie es schon. Seit Rembrandt ihre Arbeit in seinem Gemälde „Die Vorsteher der Tuchmacherzunft“ (1662) festgehalten hat.*

Im Video von Margarit Lehmann kommt Bewegung in die Szene. Es könnte auch anders sein. Es wird anders sein. Das sieht, wer hinschaut. Aus Tuchmachern werden Tuchmacherinnen. Aus Tuchmacherinnen werden Tuchmacher. Dazwischen vielen Varianten eines Spiels zwischen den Polen weiblich und männlich. Zwischen zwei Kategorien, die sich überleben werden. Die Tuchmacherinnen wissen’s. Sie haben die ihnen zugeordneten Rollen hinter sich gelassen, sind emigriert aus den Werken verschiedenster Künstler unterschiedlichster Zeiten. Hier sind sie nun also. „Wir sind so, könnten aber auch ganz anders“, scheinen sie uns augenzwinkernd zu sagen.

Die Tuchmacherinnen widersetzen sich gängigen Formen der Wissensbildung. Sie sperren sich gegen die Normen, wie sie in Malerei und Fotografie festgehalten sind und Wahrnehmung sowie das Denken lenken. „Queering History“ rückt geschichtlich Erstarrtes in ein neues Bild. Im Loop darf es sein, vergehen, neu entstehen und wieder verblassen. Was bleibt ist die Metapher für Orientierung schlechthin. Der Leuchtturm auf einem kaum erkennbaren Bild im Hintergrund von Rembrandts Gemälde: Es könnte anders sein. Es wird anders werden. Wir werden uns nicht verirren.

* (Public Domain Abbildung, Rijksmuseum Amsterdam)
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It could have been completely different. If the time had been right.

The leaders of a draper’s guild inspect the fabric.

Does the product meet the standards? Does it deviate from them? They confidently judge these two categories. They have been doing it for over 300 years. Ever since Rembrandt recorded their work in his painting „The Heads of the Clothmakers‘ Guild“ (1662)*.

In Margarit Lehmann’s video, movement enters the scene. It could be different. It will be different. Anyone who looks can see that. Clothiers become clothiers. Clothmakers become women clothmakers. In between many variations of a game between the poles female and male. Between two categories that will survive each other. The women clothiers know it. They have left behind the roles assigned to them, emigrated from the works of various artists of various times. So here they are now. „We are like this, but we could also be quite different,“ they seem to tell us with a wink.

The women clothiers defy common forms of knowledge formation. They resist the norms as they are captured in painting and photography and guide perception as well as thinking. „Queering History“ moves what is historically rigid into a new image. In the loop, it is allowed to be, to fade away, to emerge anew, and to fade away again. What remains is the metaphor for orientation par excellence. The lighthouse on a barely recognizable image in the background of Rembrandt’s painting: It could be different. It will be different. We will not get lost.

* (Public domain image, Rijksmuseum Amsterdam)